Elektroautos, die sich als Spritfresser ausgeben

Klang, Gefühl und Seele… drei Attribute, die bei Elektroautos oft durch Abwesenheit auffallen. Wie genau werden sie definiert? Die ersten beiden sind einfach.

Der aus den Auspuffrohren kommende und durch die Fahrgastzelle hallende Klang steigert die Aufregung bei Fahrer und Insassen nachweislich.

Studien haben gezeigt, dass das Geräusch eines wohlklingenden Motors direkt zu einem Anstieg des Testosteronspiegels und damit zu einer Form der Erregung führen kann. Ein Elektroauto hingegen ist vergleichsweise leise, abgesehen vom gedämpften Brummen des Motors, dem Rumpeln der Reifen auf dem Asphalt und dem bei hoher Geschwindigkeit an den Fenstern vorbeirauschenden Fahrtwind.

Empfindungen sind das Zittern, Beben und Vibrieren mechanischer Teile, die mit hoher und schneller Kraft ein- und auskuppeln. Das Geräusch beim Gangwechsel, der Ruck einer Kupplung, das Knirschen der Bremsbeläge, die ihren Griff verstärken.

Ein Elektroauto verfügt über wesentlich weniger bewegliche Teile, aufgrund seiner konstanten Drehmomentabgabe normalerweise nur über ein Einstufengetriebe und eine regenerative Bremsung durch einen langsamer werdenden Motor, wodurch Bremsbeläge und -scheiben häufig überflüssig werden.

Schließlich kommen wir zur Seele, die etwas schwieriger zu interpretieren ist. Sie ist das gewisse Etwas, das Ungreifbare je ne sais quoi das bestimmten Autos Charisma oder Persönlichkeit verleiht.

Manche halten Elektroautos für fade, nichtssagend und schlichtweg langweilig. Sind diese Vorwürfe vielleicht unberechtigt? Gibt es Argumente für die Verteidigung? Streben manche Elektroautos danach, ihren benzinbetriebenen Verwandten nachzueifern? Nun, es scheint jedenfalls so.

Der Dodge Charger SRT EV ist sehr leistungsstark, mit einem 126 Dezibel lauten Motorgeräusch und klassischem 60er-Jahre-Styling. Bild von Stellantis.

Technische Tearaways

Der Taycan von Porsche beispielsweise verfügt über einen eigens entwickelten Soundtrack. Die Perfektionierung erforderte einige Zeit und Hingabe, darunter drei Wochen im italienischen Nardo Technical Center und mehrere Stunden im schalldichten Labor des Porsche-Entwicklungszentrums in Weissach. Der Porsche Electric Sport Sound sei „ein völlig innovatives Klangerlebnis“, so das Unternehmen.

Wie Porsche entwickeln auch zahlreiche Elektroautohersteller maßgeschneiderte Sounds, um ein Klangerlebnis zu schaffen, das dem eines Benziners ähnelt. BMW engagierte den Oscar-prämierten Filmkomponisten Hans Zimmer. Der M IconicSoundsElectric, der erstmals im BMW i4 M50 zu hören war, soll eine Mischung aus „überragender Kraft und fließender Energie“ ausdrücken.

Der legendäre Komponist Hans Zimmer hat einen einzigartigen Soundtrack für den BMW i4 M50 geschrieben. Video von Bimmer heute.

Die Hard Chargers

Natürlich ist Geschwindigkeit an sich schon ein Erlebnis, und eine rasante Beschleunigung kann atemberaubend sein. Da Elektromotoren für ununterbrochenen und sofortigen Vortrieb sorgen, ist es nicht verwunderlich, dass mehrere Supersportwagen auf den Markt gekommen sind, die alle mindestens so begehrenswert sind wie ihre Konkurrenten mit V8- oder V12-Benzinmotoren.

Posterwürdige Hypercars wie der Rimac C_Two, der Pininfarina Battista und der Lotus Evija bieten allesamt atemberaubende Beschleunigungszeiten von unter zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Interessanterweise greift ihr Design auch traditionelle Supercar-Silhouetten auf, die auf Mittelmotor-Konfigurationen schließen lassen – nur dass es keine (traditionellen) Motoren gibt!

Weiter unten in der Kette finden wir Sportwagenangebote. MG, wohl einer der Vorfahren des klassischen Roadsters, plant mit dem kommenden Cyberster, einem tiefliegenden zweisitzigen Cabrio-Sportwagen, endlich zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

MG ist nicht allein. Auch ein weiterer legendärer britischer Sportwagenhersteller, Caterham, der auf ein unverfälschtes und pures Fahrerlebnis setzt, wird im Juli sein erstes Elektroauto, das Sportcoupé Project V, vorstellen. Tesla arbeitet derweil an der nächsten Roadster-Generation, die 2024 auf den Markt kommen soll und angeblich über Raketentriebwerke verfügen soll!

Verstärkte Muscle-Cars

Kaum ein Auto hat so viel Charisma wie amerikanische Muscle-Cars, und ihr prägendes Merkmal ist der kraftvolle, brummende V8-Motor. Legendäre Markennamen wie Charger, Camaro und Mustang haben nach wie vor eine enorme Strahlkraft.

Doch ist es möglich oder überhaupt fair, diese legendären Namen für ein Elektrofahrzeug zu verwenden? Ford glaubt das und hat den Mustang Mach-E erfolgreich eingeführt und verkauft. Das Elektrofahrzeug steht im völligen Widerspruch zum traditionellen Mustang: Es ist ein großer Familien-SUV mit Mustang-Schriftzug und -Rücklichtern, kein Coupé mit einem monströsen Motor. Und doch verbindet ihn etwas in seiner DNA mit seinem berühmten Namensvetter.

Der Charakter eines Muscle-Cars wird vielleicht noch besser vom Dodge Charger EV-Konzept verkörpert, das sich stark am klassischen 60er-Jahre-Stil orientiert und mit einer 800-Volt-Architektur ausgestattet ist, die ihm mehr als nur angemessene elektrische Power verleiht. Der Schlüssel liegt im simulierten Muscle-Car-Sound, dessen „Verstärkerkammer“ 126 Dezibel starkes Motorengeräusch erzeugt!

Die Simulanten

Apropos simulierte Funktionen: Hyundais Luxusauto-Tochter Genesis hat für den Crossover der GV2023-Familie (Modelljahr 60) eine virtuelle Gangschaltung eingeführt. Im Menü lassen sich die Schaltwippen hinter dem Lenkrad (normalerweise für die Einstellung der Rekuperationsbremse vorgesehen) so umschalten, dass sie als Schalthebel fungieren.

Es imitiert originalgetreu ein typisches Schaltwippengetriebe in einem Nicht-Elektrofahrzeug. Begleitet von synthetischem „Motorgeräusch“ ist es bemerkenswert überzeugend, insbesondere was das Fahrgefühl betrifft.

Toyota ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat ein gefälschtes Schaltgetriebe für Elektroautos patentiert. Es soll ausschließlich der Unterhaltung des Fahrers dienen. Der Schalthebel imitiert einen herkömmlichen Gangwechsel, und es soll sogar ein Kupplungspedal geben!

Klassiker mit Aktuellem

Und wer das authentischste Elektroauto überhaupt sucht, findet in der aufstrebenden und schnell wachsenden Branche Spezialisten, die Oldtimer auf Elektroantrieb umrüsten. Bei diesen Umbauten werden Motor und Tank durch einen Elektromotor und ein Batteriepaket ersetzt. Alles andere bleibt in der Regel unverändert.

Sie hören zwar keinen Motor (obwohl einige Modelle simulierte Geräusche bieten) und sind frei von den üblichen Motor- und Öldämpfen, spüren aber das Klappern des Antriebsstrangs, das Quietschen der Federung, das Eingreifen der Lenkung und können in einigen Fällen immer noch die Gänge wechseln. Es ist ein realistischeres Fahrerlebnis, als es mit einem Elektrofahrzeug möglich ist.

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